Archiv für den Monat: Dezember 2016

Kurzmeldungen 2016-12 Dezember

04.12.2016 – Arca Noae AMouse 3.01.01 (www) – Treiber für Zeigereinheiten
04.12.2016 – Arca Noae MultiMac NIC 20161204 (www) – Netzwerkadaptertreiber
04.12.2016 – OS2PCAT (os2pcat3.wpi) – PSD für Warp 4 Kernel
14.12.2016 – Iron Spring PL/I 0.9.9a (pli-0.9.9a.zip) – PL/I-Compiler
14.12.2016 – Weasel 2.3 (weasel_2.3.zip) – E-Mail-Server
15.12.2016 – XWorkPlace 1.0.11 (xwp-1-0-11-full-de.exe) – Erweiterungen für die Arbeitsoberfläche
15.12.2016 – Rdesktop 1.8.3 (rdesktop-20161215.zip) – RDP-Client
18.12.2016 – DFSee 14.0 (dfsee140.zip) – Dienstprogramm für Dateisysteme
19.12.2016 – PMBitchX 1.2.1 (pmbitchx-1.2.1-os2-20161219.zip) – IRC-Client
22.12.2016 – USB 10.213 (usbdrv213.zip) – Experimentelle USB-Treiber von Lars Erdmann

Portierungen

04.12.2016 – pkg-config 0.29.1 (pkg-config-0.29.1.zip) – Hilfsprogramm für Programmbibliotheken
07.12.2016 – Samba for OS/2 1.3.0 (samba-1-3-0-979.wpi) – Angepaßte Komponenten von Samba 3.6.25
22.12.2016 – GNU GCC 6.3.0 (gcc-6.3.0-os2-20161222.zip) – Testversion der C/C++-Compiler
22.12.2016 – Vice/2 3.0 (Vice2-3.0.zip) – Emulator für 8-bit Commodore-Systeme
27.12.2016 – aaphoto 0.45 (aaphoto-0.45-os2.zip) – Fotokorrektur

IBM Betriebssystem/2 Version 1.0

Im November 1987 wurde von IBM die Verfügbarkeit der ersten Version des neuen Operating System/2 angekündigt. Die erste deutschsprachige Ausgabe, welche Anfang 1988 erschien, wurde, gemäß der üblichen IBM-Übersetzung, Betriebssystem/2 (BS/2) genannt. Diese Bezeichnung wurde offiziell noch bis zur Version 1.1 verwendet. Erst später wurden auch die deutschen Ausgaben mit der englischen Produktbezeichnung Operating System/2 (OS/2) versehen.

Systemanforderungen

Zur Ausführung dieses Betriebssystems wird mindestens ein IBM PC XT 286 oder PC AT mit ungefähr 1,5 bis 2,0 MB Hauptspeicher und einem 3,5″- oder 5,25″-Diskettenlaufwerk benötigt. Für den Einsatz auf authentischen Maschinen können die Modelle 50, 60, 70 und 80 aus der IBM Personal System/2 (PS/2) Serie empfohlen werden. Es soll hier nicht verschwiegen werden, daß von verschiedenen Herstellern eine Reihe von Erweiterungskarten angeboten wurden. Diese enthielten meist einen 286- oder 386-Prozessor und entsprechend mehr Arbeitsspeicher, um auch ältere PC oder PC XT mit OS/2 betreiben zu können. Auch die Ausführung in virtuellen Maschinen und Emulationsprogrammen ist nicht mehr unmöglich, aber mit gewissen Schwierigkeiten und bestimmten Vorbereitungen verbunden. Die Installation auf einer Festplatte bietet sich an, obwohl grundsätzlich ebenso ausschließlich mit Disketten gearbeitet werden kann. Wie unter fast allen frühen Versionen, bis inklusive DOS 3.3, werden nur Partitionsgrößen bis 32 MB unterstützt. Zur Nutzung größerer Festplattenlaufwerke über weitere Laufwerksbuchstaben müssen folglich zusätzliche logische Partitionen innerhalb einer erweiterten Partition verwendet werden. Es bleibt jedoch zu beachten, daß hinsichtlich der maximal unterstützten Gesamtgröße weitere spezifische Einschränkungen auftreten können.

Überblick

BS/2 1.00 Startbildschirm

IBM BS/2 Version 1.00 Startbildschirm

Die grafische Benutzeroberfläche des Präsentations-Managers war noch nicht im Lieferumfang des Systems enthalten. Stattdessen gab es bei IBM zur Steuerung eine Programmauswahl, welche stets durch die bekannte Tastenkombination [Strg-Esc] erreicht werden konnte. Auf der linken Seite finden sich hier Einträge zum Ausführen verschiedener Programme. Rechts sind die aktiven Programme, zwischen welchen umgeschaltet werden kann, aufgeführt. Neben der einzelnen DOS-Systemanfrage, welche zur Ausführung von DOS-Programmen in der echten Betriebsart (real mode) dient, sind maximal weitere 12 BS/2-Befehlszeilen möglich.

Programmauswahl

Programmauswahl

Der Befehlszeileninterpreter (CMD.EXE) unterstützt Stapelverarbeitungsdateien, welche im Gegensatz zu den bekannten *.BAT-Dateien aus DOS die Endung *.CMD haben. Der Befehlssatz wurde entsprechend erweitert.

Befehlszeile

BS/2-Befehlszeile

Selbstverständlich läßt sich auch die grafische Bedienoberfläche Microsoft Windows 2.11 in der oft gescholtenen DOS-Umgebung ausführen, allerdings nur in der echten Betriebsart (real mode).

Unterstützte Geräte

Parallel und seriell angeschlossene Drucker werden sowohl für OS/2-Programme, als auch für DOS-Programme unterstützt. Je nach den unterstützten Emulationen, kann man hier zwischen IBM Proprinter oder IBM Graphics Printer auswählen. Praktischerweise bringen jedoch verschiedene Anwendungsprogramme eine eigene erweiterte Druckerunterstützung mit. Weiterhin können auch verschiedene IBM Plotter am seriellen Anschluß betrieben werden.

Druckerauswahl in IBM PCText 4/2

Druckerauswahl in IBM PCText 4/2

Als Eingabegeräte werden die IBM AT-Tastatur und die erweiterte Tastatur unterstützt, sowie Zeigergeräte am PS/2-Anschluß (allerdings nur an einem richtigen IBM Personal System/2) oder an der seriellen Schnittstelle.

Zur Datensicherung und der hoffentlich erfolgreichen Wiederherstellung können im einfachsten Fall, wie bereits unter DOS, mehrere HD-Disketten mittels der Befehle backup und restore eingesetzt werden.

Komfortabler ist jedoch die Verwendung von Bandlaufwerken. Hier sollte man beachten, daß die Treiberunterstützung sehr von den jeweiligen Sicherungs- und Wiederherstellungsprogrammen abhängig ist. So enthält Sy-Tos von Sytron beispielsweise die benötigten Gerätetreiber für die Ansteuerung über SCSI oder andere Schnittstellen. Mit Maynstream von Maynard verhält es sich ähnlich.

Anwendungen

Eines der ersten angekündigten Anwendungsprogramme für das neue PC-Betriebssystem war IBM PC Text 4/2, die deutschsprachige Ausgabe der Textverarbeitung DisplayWrite 4/2.

IBM PCText 4/2 Startbildschirm

IBM PCText 4/2 Startbildschirm

Von Microsoft wurde 1988, als erstes Anwendungsprogramm, die Tabellenkalkulation Multiplan 4.0 mittels der Familienbetriebsart (engl. family mode), auch FAPI genannt, unter OS/2 verfügbar gemacht. Nachdem sich bereits die Auslieferung dieser Anwendung schon um einige Monate bis zum September 1988 verzögerte, wurde das äußerst fehlerbehaftete Produkt im November zurückgezogen. Erst im Februar 1989 folgte das überarbeitete Multiplan 4.1, welches zumindest für die registrierten Käufer der Vorversion kostenfrei geliefert wurde. Da bereits parallel an der neuen grafischen Tabellenkalkulation Excel gearbeitet wurde, endete die Entwicklung 1990 mit Multiplan 4.2. Ursprünglich sollte auch die Textverarbeitung Word 5.0 noch 1988 erscheinen, aber tatsächlich war diese Version erst ab Anfang 1989 erhältlich. Der im November 1990 vorgestellte Nachfolger Word 5.5 mit überarbeiteter Bedienoberfläche wurde später von Microsoft im Zusammenhang mit der Jahr-2000-Problematik zum kostenlosen Herunterladen angeboten und funktioniert auch weiterhin problemlos unter OS/2 1.0.

Ab 1989 war das weit verbreitete Textverarbeitungsprogramm WordPerfect für OS/2 5.0 als zeichenbasierte Anwendung für den Gesamtbildschirm nutzbar.

Die Ausgabe 3.0 der damals populärsten Tabellenkalkulation 1-2-3 von Lotus Development, welche auch unter OS/2 benutzbar war, verzögerte sich etwas und erschien erst verspätet im Sommer 1989. Ebenfalls von Lotus wurde die neuartige Informationsverwaltung Agenda geliefert.

Eines der schon früh verfügbaren Datenbanksysteme war R:base for OS/2 von Microrim ab dem Sommer 1988.

Die im August 1988 von IBM angekündigte OS/2 Extended Edition Version 1.0, welche zusätzlich den Database Manager und den Communications Manager enthielt, wurde nicht in die Landessprachen übersetzt.

Programmentwicklung

Übersetzer für die gängigen Programmiersprachen waren sowohl von Microsoft als auch von IBM erhältlich. Ab dem Frühjahr 1988 gab es von Microsoft den Macro Assembler 5.1, den BASIC Compiler 6.0, den FORTRAN Compiler 4.1 und den Pascal Compiler 4.0 – wenig später folgte der überarbeitete C Compiler 5.1. Zusätzlich benötigt man dann noch das Microsoft OS/2 Programmer’s Toolkit.
Der IBM C/2 Compiler 1.0 basierte noch auf Microsoft C 5.0, welcher bereits zuvor im Umfang des Microsoft OS/2 SDK enthalten war. Die IBM-Produkte FORTRAN/2, COBOL/2, C/2, Macro Assembler/2, Pascal Compiler/2 und BASIC Compiler/2 konnten auch weiterhin zur Entwicklung unter DOS verwendet werden. Bis auf die COBOL-Entwicklungsumgebung, welche jeweils als Grundlage den Micro Focus Compiler nutzt, handelt es sich auch bei den weiteren Produkten um OEM-Versionen der Microsoft-Sprachen.

Schlußbemerkungen

In diesem Beitrag kann nur ein kurzer Überblick gegeben werden. Daher wurde auf viele technische Einzelheiten verzichtet, um die Lesbarkeit nicht noch weiter zu erschweren. Berichtigungen und weiterführende Bemerkungen sind über die Kommentarfunktion möglich. Bei Interesse können einzelne Themenbereiche in zukünftigen Beiträgen ausführlicher behandelt werden.

Literatur

Grainer, Stefan: OS/2 – Ein neuer Betriebssystem-Standard : Neue Konzepte für PCs – IWT 1988, ISBN 3-88322-205-4
J. Robbins: Arbeiten mit OS/2 und BS/2 – Sybex 1988, ISBN 3-88745-656-4
Schieb: Das große Buch zu OS/2 – Data Becker 1988, ISBN 3-89011-219-9
Piefke, Frank: OS/2 – BS/2 Anwenderbuch – Hüthig 1989, ISBN 3-7785-1610-8
Kersten, Heinrich: Einführung in OS/2 – BS/2 – Hüthig 1989, ISBN 3-7785-1786-4
Jamsa, Kris: OS/2-Einführungskurs – Osborne McGraw-Hill 1989, ISBN 3-89028-168-0

IBM-Dokumente

ZP87-4074 – 02.04.1987 – IBM OS/2 Standard Edition
ZP87-4075 – 02.04.1987 – IBM PC Software Overview Abstract – Today IBM announces the IBM Operating System/2, a new generation
ZP87-4076 – 02.04.1987 – IBM OS/2 Toolkit And Technical Reference
ZP87-0430 – 03.11.1987 – IBM OS/2 Standard Edition